Weitere Essstörungen

 

Anorexia athletica


Hierbei handelt es sich aus therapeutischer Sicht um einen diagnostisch nicht relevanten Medien- bzw. Modebegriff, der eine Kombination von zwanghafter Diäternährung und übermäßigen Sport ( "Sport-Sucht" ) beschreibt. Aus fachlicher Sicht wäre sie je nach Symptomatik im Bereich Bulimie oder EDNOS einzuordnen.

Pica-Syndrom


Das Pica-Syndrom (auch: Picazismus) wurde erst vor wenigen Jahren erstmals in der Fachliteratur erwähnt. Es bezeichnet ein Krankheitsbild, bei dem Menschen ungewöhnliche und ausgefallene Dinge essen, wie zum Beispiel Erde, Papierschnipsel, Kreide, Ton oder kleine Plastikspäne, mitunter auch Dinge, die bei anderen Menschen Ekel hervorrufen können wie Exkremente (Koprophagie). Bei kleinen Kindern ist hierbei zunächst einmal von einem bloßen Ausprobier- und Entdeckungsverhalten auszugehen, bei dem buchstäblich alles in den Mund genommen wird. Erst, wenn es häufig und offenbar absichtsvoll gewollt zu unterschiedslosem Aufessverhalten kommt, besteht möglicherweise Anlass, ein Pica-Syndrom anzunehmen. Vom medizinischen Standpunkt her ist zu erwähnen, dass Betroffene sich einem grossen Risiko von Vergiftungen und Infektionen aussetzen, häufig unterschätzt wird das Risiko einer einseitigen Ernährung oder gar Unterernährung oder ärztlich zu behandelnden Verstopfungen.

Orthorexia nervosa

Orthorexia nervosa bedeutet krankhaftes "Gesund"-essen, und ist diagnostisch in einem Grenzbereich zu Zwangsstörungen anzusiedeln. Betroffene verbringen mehrere Stunden täglich damit, Vitamingehalte und Nährwerte zu berechnen, sowie spezifische Lebensmittel für ihre Ernährung auszuwählen, wobei sich die Auswahl der "erlaubten" Lebensmittel tendentiell immer mehr verringert. Die Folgen dieses Störungsbildes sind längerfristig Unter- und Mangelernährung sowie soziale Isolation. Die Betroffenen zeigen oft Angst vor als ungesund geglaubten Lebensmitteln - Ängste, die manchmal auch wahnhafte Formen annehmen können.

Diabulimie


Diabulimie bezeichnet das Verhalten von DiabetikerInnen mit Essstörungen, sich selbst bewusst niedrig dosierte Insulingaben zu verabreichen, um das Gewicht besser halten zu können. Ausgangspunkt für dieses Verhalten ist i.d.R. eine bereits bestehende Bulimie. Insulin ist im Körper dafür zuständig, Glukose vom Blut in die Zellen zu transportieren. Ohne Insulin "verhungern" die Zellen, während der Organismus vom hohen Glukosegehalt des Blutes belastet wird. Die körperlichen Folgen von Diabulimie sind deshalb äußerst bedrohlich, wie neue amerikanische Studien zeigen: sehr häufig treten schwere und irreversible Folgeschäden an Augen, Nieren oder anderen Organen auf. Jede dritte weibliche Diabetikerin unter 30 Jahren kann lt. Studie als Diabulimikerin bezeichnet werden. Warnzeichen für Diabulimie sind Gewichtsabnahme trotz normaler oder zunehmender Ernährung bei Energiemangel, hoher Blutzuckerspiegel und/oder häufiger Drang zu urinieren (bei hohem Blutzuckerspiegel müssen die Nieren auf Hochtouren arbeiten, um die überschüssige Glukose aus dem Blut zu filtern). Diabulimie ist eine der für den Körper gefährlichsten Eßstörungen.